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Brunch auf dem Bauernhof © Peter Mesenholl
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Wertvoller Austausch zur schwierigen Fördersituation extensiver Bergweiden des Südschwarzwaldes

Feldberg / Ibach – Auf großes Interesse stieß eine von der Naturpark-Arbeitsgruppe Landwirtschaft initiierte Exkursion. Am 27. Juli 2018 nahmen fast 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Begehung der bewirtschafteten Fläche von Landwirt Clemens Speicher in Ibach teil, um die aktuelle Fördersituation dieser und anderer Bergweiden zu diskutieren.

Am Freitag, 27. Juli 2018, trafen sich fast 60 Akteure und Interessierte aus dem gesamten Naturparkgebiet am Stall des Landwirtes Clemens Speicher. Die schwierige Fördersituation der extensiven Bergweiden sollte erörtert und an die Verantwortlichen der Verwaltung herangetragen werden. Vertreterinnen und Vertreter aus der aktiven Landwirtschaft, des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes, des Naturschutzes, der Landschaftserhaltungsverbände, der Fachverwaltungen der Landkreise und des Regierungspräsidiums Freiburg sowie der Landesministerien für Umwelt und für den Ländlichen Raum waren vertreten.

Nachdem die Problematik bereits von verschiedenen Stellen an die Landespolitik herangetragen worden war, hat die Naturpark-Arbeitsgruppe Landwirtschaft das Thema aufgegriffen und nun gemeinsam mit dem Naturpark Südschwarzwald und dem Biosphärengebiet Schwarzwald eine Exkursion organisiert, um anhand einer typischen Weide vor Ort über Förderproblematik extensiver Bergweiden im Südschwarzwald zu informieren und diskutieren.

In ihren Grußworten betonten der Waldshuter Landrat Dr. Martin Kistler, der Geschäftsführer des Naturparks Südschwarzwald Roland Schöttle, der Dezernent für den Ländlichen Raum des Landkreises Lörrach Michael Kauffmann sowie der stellvertretende Geschäftsführer des Biosphärengebietes Schwarzwald Christoph Huber die extensive Bewirtschaftung von Bergweiden als eine zentrale Aufgabe zum Erhalt der traditionellen Kulturlandschaft im Naturpark Südschwarzwald. Der hohe ökologische Wert der artenreichen Weidberge wurde herausgestellt. Sie sind das Alleinstellungsmerkmal des durch die UNESCO anerkannten Biosphärengebietes, was nicht zuletzt ihre hohe Bedeutung für den Tourismus unterstreicht. Diese besonders hochwertige Kulturlandschaft ist letztlich vor allem das Werk der dort Weidevieh haltenden Landwirte.

Auf der nahe beim Stall gelegenen Bergweide erläuterte Landwirt Clemens Speicher die Herausforderungen bei der Pflege der Fläche und die Fragen, die sich im Zusammenhang mit der Förderung stellen. Die aktuelle Förderpraktik führe zu vielen Unsicherheiten, und es besteht die Gefahr, dass sich zunehmend Landwirte aus der Bewirtschaftung der Bergweiden zurückziehen. Mehrere Fachleute äußerten sich in kurzen Stellungnahmen zu der Problemlage, unter anderem aus der Sicht des EU-Kontrollwesens, der Landkreisverwaltung, des Naturschutzes und des Bauernverbandes.

Zurück beim Stall wurde eine Diskussionsrunde angeschlossen, in der unter anderem Hans Page vom Landschaftserhaltungsverband Emmendingen und der Vorsitzende des Landesnaturschutzverbandes Dr. Gerhard Bronner zu Wort kamen. Beide hinterfragten die engen Ermessensspielräume bei der Förderung in Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern, die denselben EU-Vorgaben unterliegen. Eine Änderung der Fördersituation sollte möglichst schon vor Beginn der kommenden EU-Förderperiode greifen.
Der Vizepräsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes Bernhard Bolkart berichtete von einzelnen Landwirten, die entgegen ihrer fachlichen Überzeugung diverse Flächen übermäßig pflegen, um dem Risiko einer Fördermittelrückzahlung zu entgehen. Der Landtagsabgeordnete Reinhold Pix, Grüne, sagte seine Unterstützung auf politischer Ebene zu, etwa in den entsprechenden Fachausschüssen des Landtags.

Die Mehrzahl der Exkursionsteilnehmenden sah einen dringenden Handlungsbedarf, für eine auf die Diversität der Extensivweiden zugeschnittene Förderung. Damit die charakteristischen extensiven Bergweiden im Südschwarzwald auch für die kommende Generation gesichert sind, benötigen Landwirte praktikable und zuverlässige Programme. Die Weide ist als Gesamtheit mit ihrer regionaltypischen Vielfalt zu betrachten und als solche zu fördern.

Hintergrundinformationen:
Die extensive Bewirtschaftung von Bergweiden ist eine zentrale Aufgabe zum Erhalt der traditionellen Kulturlandschaft im Naturpark Südschwarzwald. Die meist weitläufigen Südschwarzwälder Hochweiden sind geprägt von einem vielfältigen Mosaik aus ökologisch wertvollen Magerrasen, Heide- und Gehölzflächen, felsigen Stellen bis hin zu feuchten Weidebereichen mit Seggen und Binsen. Diese Strukturvielfalt bedingt einen sehr großen Artenreichtum. Eine intensivere landwirtschaftliche Nutzung, wie Mahd, ist meist schon aufgrund der Hangneigung nicht möglich.
Die Bergweiden im Südschwarzwald haben eine hohe Bedeutung für den Tourismus in der Region. Sie umfassen heute noch mehrere Tausend Hektar, noch ist die Weidehaltung im Südschwarzwald gewährleistet. Allerdings nimmt die Zahl der Landwirte ab, die die Bewirtschaftung übernehmen. So droht eine Veränderung des Landschaftsbildes, weil Flächen aufgegeben werden und zuwachsen.

Die Abgrenzungsvorgaben der derzeitigen Förderprogramme sind oft schwierig auf den strukturreichen Bergweiden umzusetzen. Aus Sicht der Bewirtschafter und Akteure vor Ort ist es oft nicht eindeutig, welche Teile der extensiven Bergweiden den derzeitigen Förderrichtlinien entsprechen. Es ist ein sehr hoher Aufwand, innerhalb der Weidberge kleinteilig Flächen abzugrenzen, die der Definition von „landwirtschaftlicher Bruttofläche“ entsprechen, um förderfähige von nicht förderfähigen Teilflächen zu unterscheiden. In der Praxis herrscht große Unsicherheit, denn bei Kontrollen kann es zu Sanktionen und Kürzungen der Ausgleichszahlungen kommen. Die Landwirte, die die aufwendige Bewirtschaftung der extensiven Bergweiden durchführen, sind aber auf eine Förderung dringend angewiesen und brauchen Sicherheit von allen beteiligten Behörden, um korrekte Förderanträge stellen zu können.

Weitere Informationen zur Naturpark Südschwarzwalde finden Sie unter: www.naturpark-suedschwarzwald.de.

Bildnachweis (© Naturpark Südschwarzwald):
Bild 1: Exkursionsgruppe auf dem von C. Speicher bewirtschafteten Weidberg in Ibach.
Bild 2: Exkursion auf dem von C. Speicher bewirtschafteten Weidberg in Ibach: v. l. n. r.: Roland Schöttle, Geschäftsführer Naturpark Südschwarzwald; Clemens Speicher, Landwirt, Rolf Hess, Fachbereich Landwirtschaft im Landratsamt Lörrach, Andrea Jahn und Hansjörg Stoll, Landschaftserhaltungsverband Waldshut.

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> PI Bericht Exkursion Bruttoflächen (PDF, ca. 398 KB)

veröffentlicht: Fr, 27.07.2018
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