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Brunch auf dem Bauernhof © Peter Mesenholl
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Schwarzwald_Institut will Baukultur und Handwerk des Schwarzwalds erhalten und transformieren

„Tradition lebendig halten und mit der Moderne verbinden“
Schwarzwald_Institut will Baukultur und Handwerk des Schwarzwalds erhalten und transformieren


Feldberg – Die Naturparke Südschwarzwald und Schwarzwald Mitte/Nord arbeiten in einer rund 20-köpfigen Projektgruppe fachkundiger Experten intensiv am Gründungskonzept des Schwarzwald_Instituts. Es soll als Plattform für eine zukunftsorientierte Baukultur im Schwarzwald dienen, alle Akteure vernetzen, Wissen sichern, dokumentieren und weitergeben sowie die Identität der Region und ihrer Bewohner stärken.

Auf keiner Postkarte aus dem Schwarzwald darf er fehlen: Egal ob Schinkenproduzent, Hotel oder SWR-Fernsehserie – sie werben alle mit dem Schwarzwaldhof, dem traditionellen Wohnstallhaus mit dem weit herab gezogenen Walmdach. Die Baukultur des Schwarzwaldes verleiht der Region zwischen Pforzheim und Basel ein unverwechselbares Gesicht. Schwarzwaldwaldtypisch ist nicht nur die Form, die sich an Klima und Lage angepasst hat, sondern auch die Materialien und Rohstoffe wie Holz sowie das Wissen und die Handlungskompetenz, die sich über Jahrhunderte entwickelt hat. „Die Schwarzwälder haben kluge Formen und Techniken entwickelt. Es geht darum, dieses Wissen zu erhalten und weiterzugeben“, sagt Kerstin Gothe, Professorin für Regionalplanung und Bauen im Ländlichen Raum am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). „Vieles an den Schwarzwaldhöfen ist auf eine faszinierende Weise energetisch effizient, da können wir von den Vorfahren lernen. Manches andere lässt sich energetisch gut ertüchtigen – bei Erhalt der äußeren Gestalt.“

Das Schwarzwald_Institut soll eine Plattform für Akteure aus Bautechnologie, Handwerk, Planung, Landschaftsarchitektur und Architektur, Kultur und Tourismus sein. Vorbild ist die Region Vorarlberg, wo sich eine viel beachtete Architektur entwickelt hat. Zudem hat sich mit dem Werkraum Bregenzerwald eine Kooperation von Handwerkern gebildet, die ihre Mitglieder in den Bereichen Produkt- und Designinnovation, Aus- und Weiterbildung sowie Baukultur unterstützt. Die Kunsthistorikerin Renate Breuß war Leiterin des Werkraums und begleitet den Gründungsprozess des Schwarzwald_Instituts. „Das Handwerk verfügt über breites Wissen und Problemlösungskompetenzen, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben. Die gilt es zu erhalten und in die Zukunft zu transformieren, und zwar interdisziplinär, zusammen mit Designern, Architekten, Vertretern der Kreativwirtschaft und Kommunikationsspezialisten. Das Schwarzwald_Institut soll hier Impulse setzen und die Akteure in Austausch bringen“, sagt sie.

Schon seit 20 Jahren ist die spezielle Schwarzwälder Baukultur den Verantwortlichen der beiden Naturparke im Schwarzwald wichtig. Der Schwarzwald werde wegen seines geschlossenen landschaftlichen Gebiets mit der Ikone Schwarzwaldhaus und seiner Landschaftsbezogenheit von vielen Regionen beneidet, so Roland Schöttle, Geschäftsführer des Naturparks Südschwarzwald. 2010 veranstaltete die Architektenkammer Baden-Württemberg bereits den ersten Wettbewerb „Neues Bauen im Schwarzwald“. „Jetzt ist es wichtig, das alte Wissen und die alten Tugenden zu bergen, damit sie nicht verloren gehen“, beschreibt er eines der grundlegenden Ziele des zu gründenden Instituts. Ein weiteres Ziel sei die Stärkung der Identität und des Heimatgefühles der Menschen im Schwarzwald. Das Institut soll eine Plattform werden, die gemeinwohlorientiert arbeitet und auch Impulse für eine zeitgemäße Schwarzwälder Baukultur gibt. Vor kurzem habe sich bereits ein Netzwerk von rund 25 Architekten gebildet, die die Baukultur im Schwarzwald bei einzelnen Projekten mit ihrem Rat unterstützen wollen. Die Gemeinden Bernau und Todtnau seien Vorreiter im Südschwarzwald und nützten bereits das Angebot der Gestaltungsberatung des Naturparks Südschwarzwald, so Schöttle. In Baiersbronn im Nordschwarzwald berät Kerstin Gothe den Gestaltungsbeirat der Gemeinde. Für Sanierung und Neubau des Hotels Belchenhauses und den Neubau der Marktscheune in Fröhnd wurden 2016 und 2017 Gestaltungswettbewerbe durchgeführt. Nach der Gründung des Instituts sollen diese Angebote intensiviert werden.

Aufgaben des Schwarzwald_Instituts sollen neben der Gestaltungsberatung der Gemeinden und der Begleitung architektonischer Pilotprojekte die Entwicklung spezifischer Angebote für Touristen sein. Man denke beispielsweise an eine Architektur-Route. „In Vorarlberg hat sich gezeigt, dass die Vernetzung alle stärker macht, Potentiale hebt und Innovation ermöglicht“, so Renate Breuß. „Der Werkraum hat dazu beigetragen, einen Stolz und ein Bewusstsein für die Region zu entwickeln, die sich nicht der Internationalität verschließt. Der wirtschaftliche Erfolg gibt der Entwicklung recht, bestimmte Bausysteme sind zu einem Exportschlager geworden.“ Auch der ländliche Raum insgesamt und die Marke Schwarzwald werden von den Aktivitäten des Instituts profitieren, meint Schöttle. Er denke beispielsweise an die vielen Leerstände von gewerblichen und gastronomischen Gebäuden, die oft ein trauriges Bild abgäben. „Warum nicht exemplarisch ein solches Gebäude zu Wohnungen umbauen? Das ist eine Aufgabe, die viele interessieren wird“, sagt Kerstin Gothe und verweist auf die Sommerunis, die sie durchführt. Zehn Tage verbringt sie zusammen mit Studierenden in einem Ort. Sie analysieren den Istzustand, definieren Handlungsbedarfe und entwickeln Ideen und Konzepte für konkrete Situationen. Die Ergebnisse fänden große Resonanz in der Bevölkerung, so die Professorin.

Am 23. Oktober 2018 wird die erste Fassung des Gründungskonzeptes der Öffentlichkeit vorgestellt. Alle Interessierten sind eingeladen, an diesem Abend ihre Ideen in den inhaltlichen und organisatorischen Aufbau des Schwarzwald_Instituts einzubringen. Die Veranstaltung findet von 18:00 bis 21:00 Uhr im Haus des Gastes in Elzach statt. Um Anmeldung unter info@naturpark-suedschwarzwald.de wird gebeten. Im Frühling 2019 sollen Gründungskonzept und Finanzierung des Schwarzwald_Instituts stehen und das Institut die Arbeit aufnehmen.

Weitere Informationen finden sich unter www.schwarzwald-institut.de.

Bildnachweis:
Bild1: Die Schwarzwaldhöfe prägen die Schwarzwälder Kulturlandschaft, wie hier in St. Peter. Das Schwarzwald_Institut soll Plattform zum Erhalt und zur Weitergabe von Wissen und Kulturgut in Bau, Handwerk und Design sein. © Hochschwarzwald Tourismus GmbH


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veröffentlicht: Fr, 31.08.2018
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