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Brunch auf dem Bauernhof © Peter Mesenholl
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Modellprojekt „Flatterulmen aus dem Südschwarzwald“: Seltene Baumart erstmals vermehrt

Feldberg/Kirchzarten – Seit gut einem Jahr läuft im Naturpark Südschwarzwald das Modellprojekt „Flatterulmen aus dem Südschwarzwald“. Die ersten Jungpflanzen werden ab sofort zum Pflanzen angeboten. Am Montag, 14. Dezember 2020, fand hierzu am Fuße einer imposanten Flatterulme am Wagensteigbach in Kirchzarten-Burg ein Informationstermin statt.
„Wieder einmal trägt die gute Zusammenarbeit des Naturparks Südschwarzwald mit den Landschaftserhaltungsverbänden Früchte“, freute sich der Naturparkgeschäftsführer Roland Schöttle. Wie schon beim Projekt „Schwarzwälder Wiesenvielfalt erhalten“ war der Landschaftserhaltungsverband Breisgau-Hochschwarzwald in Person seines Geschäftsführers Reinhold Treiber Ideengeber und fachlicher Begleiter.

An wenigen Stellen entlang der Bäche in den Südschwarzwälder Tälern wachsen imposante Flatterulmen. So seien etwa im Zuge von Kartierungsarbeiten im Dreisamtal, insbesondere am recht ursprünglich belassenen Wagensteigbach, etwa 70 mittlere bis große Flatterulmen gefunden worden, wie Thomas Schmid vom Fachbereich Bauwesen der Gemeinde Kirchzarten ausführte. Der Pressetermin fand direkt an einer fast 30 Meter hohen Flatterulme statt.

Flatterulmen haben ähnliche Standortansprüche wie Eschen, die aber infolge des sogenannten Eschen-Triebsterbens voraussichtlich vollständig verschwinden werden. Flatterulmen können einen Ersatz für diese darstellen. Sie haben als gebietsheimische Bäume einen hohen ökologischen Wert. Manche Tierarten, zum Beispiel der Ulmen-Zipfelfalter, sind gar auf das Vorkommen von Flatterulmen angewiesen. Außerdem können sie als Großbäume mit bis zu 35 Metern Höhe langfristig die das Landschaftsbild prägenden Eschen in bachbegleitenden Galeriewäldern ersetzen. Auch als prägnante Hofbäume in den Schwarzwalddörfern können sie abgehende Eschen ablösen.

Der Kreisforstamtsleiter und Hauptfachwart Naturschutz beim Schwarzwaldverein, Dr. Karl-Ludwig Gerecke, betonte, dass die Flatterulme aktuell auch forstlich von großem Interesse sei. Bei der Suche nach Baumarten, die klimafest und krankheitsresistent sind, sei man auf die Flatterulme aufmerksam geworden. Dass es sich um eine heimische Art handelt und nicht um ein exotisches Gehölz, sei aus ökologischer Sicht ein großer Vorteil. Dies bestätigte auch Lisa Gollent von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg. Sie beschäftigt sich im Rahmen eines Forschungsprojektes mit der forstlichen Eignung heimischer Baumarten unter den sich mit dem Klimawandel verändernden Standortbedingungen.

Reinhold Treiber erläuterte den Ablauf des vierjährigen Modellprojektes „Flatterulmen aus dem Südschwarzwald“: Mit Hilfe der Landschaftserhaltungsverbände und der Fachbehörden der Landkreise werden große samenbildende Flatterulmen im Südschwarzwald kartiert. Das Saatgut wird im Frühsommer mithilfe von unter den Bäumen ausgebreiteten Netzen gesammelt. In einer Forstbaumschule werden die Samen zum Keimen gebracht und die Jungpflanzen aufgezogen. „Allgemein kommt es fast nie vor, dass die regionalen Typen unserer einheimischen Bäume und Sträucher, nicht nur der Flatterulme, vermehrt werden. So muss bei Pflanzmaßnahmen häufig auf nicht gebietsheimische Jungpflanzen zurückgegriffen werden, die nicht so gut an die regionalen Bedingungen angepasst sind und die für hier vorkommende Tierarten weniger geeignet sind. Das Flatterulmen-Projekt soll auch den Anstoß geben, weitere typisch Schwarzwälder Gehölze zu vermehren“, so Treiber.

Nun stehen die ersten jungen Flatterulmen zur Verfügung und können gepflanzt werden. In den kommenden Jahren sollen Tausende weitere folgen. Ziel ist es, möglichst viele abgestorbene Eschen durch junge Flatterulmen zu ersetzen. Nicht nur Kommunen, auch Landwirtinnen und Landwirte sowie Privatleute können sich melden.

Zum Preis von 2,50 € pro Stück können die Jungbäumchen erworben werden. Bitte melden Sie sich hierzu beim Landschaftserhaltungsverband Breisgau-Hochschwarzwald, Jan Flessa, per E-Mail jan.flessa@lkbh.de oder Telefon 07621 87-5894.

Dieses Projekt wurde gefördert mit Mitteln des Landes Baden-Württembergs und der Lotterie Glücksspirale.

Ansprechperson beim Naturpark Südschwarzwald:
Holger Wegner
Dr.-Pilet-Spur 4
79868 Feldberg
Tel. 07676 9336-15
E-Mail: holger.wegner@naturpark-suedschwarzwald.de

Bildnachweise (© Naturpark Südschwarzwald)
Bild 1: Am Fuß der Flatterulme (v. l.): Roland Schöttle, Geschäftsführer des Naturparks Südschwarzwald, Dr. Karl-Ludwig Gerecke, Leiter des Kreisforstamts Breisgau-Hochschwarzwald, Reinhold Treiber, Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbands Breisgau-Hochschwarzwald, Thomas Schmid, Gemeinde Kirchzarten.
Bild 2: Reinhold Treiber (Landschaftserhaltungsverband Breisgau-Hochschwarzwald), mit einer wurzelnackten jungen Flatterulme und einem Laubblatt, erläutert die ökologischen Vorzüge der Schwarzwälder Flatterulme.
Bild 3: Die große Flatterulme am Wagensteigbach in Kirchzarten-Burg. Die kleineren Bäume daneben sind fast alle Eschen, die voraussichtlich absterben werden.

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> Projektflyer Flatterulme des Naturpark Südschwarzwald e. V. (PDF, ca. 693 KB)

veröffentlicht: Fr, 18.12.2020
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